Islam in der Türkei

Das Wort "Islam" bedeutet "Hingabe". Es ist die Ergebung in den undurchschaubaren Willen Gottes, zu der der gläubige Moslem sich entschließt. Ein Moslem ist also der, der sich Gott hingibt und sich seinem Willen unterwirft.. "Allah" bedeutet nichts anderes als „Gott". Es ist das arabische Wort für ihn, das schon vor Mohammed bekannt und im arabischen Sprachraum gebräuchlich war. Gemeint ist der gleiche Eingott, dem auch Juden und Christen Verehrung erweisen.

Die Worte Gottes sind im "Koran" zusammengefasst. Er ist die "Heilige Schrift" der Moslems. "Koran" heißt wörtlich "das Werk". Er enthält die nach Mohammeds Tod zusammengestellten offenbarungen, die Gott seinem Propheten zukommen ließ. Die einzelnen Kapitel werden als "Suren" bezeichnet.

Inhaltlich baut der Islam auf vorgefundenem jüdisch­christlichem Glaubensgut auf. Mohammed war Kaufmann und hatte in seiner Jugend mit Kamelkarawanen den Orient bereist. Dabei war er mit jüdischen Rabbinern und den Vertretern des Christentums zusammengekommen. Mochte seine Kenntnis dieser Religion auch ungenau gewesen sein, so treten im Koran doch größenteils die gleichen Personen auf: Adam und Eva, Noah und Abraham, Salomo und Lot, Moses und Pharao. Selbst Maria und Jesus erhielten ihren Platz. In der christlichen Lehre von der Dreifaltigkeit hingegen glaubt der Moslem einen Widerspruch zum geforderten Eingottglauben zu sehen.

Das Abendland hat den Koran verschieden beurteilt. Goethe bezeichnete ihn als ein Buch, das "mit Bewunderung erfüllt und zur Verehrung zwingt". Heute ist der Koran über seine religiöse Bedeutung hinaus als poetisches Werk von besonderer Schönheit anerkannt. Man zählt ihn zu den großen Werken der Weltliteratur.

Mit der ersten Sure des Korans beginnt auch das tägliche Gebet des Moslems. Es wird fünfmal täglich in Richtung Mekka vollzogen. Mit dem Gebet sind bestimmte Waschungen verbunden. Dazu kommen das Fastengebot in Monat Ramadan, das Gebot der Pilgerfahrt nach Mekka, das Gebot der Almosensteuer und das aus heidnischem und jüdischem Brauchtum übernommene Speiseverbot, wie das Verbot von Schweinefleisch. Auch in Verhaltens- und Rechtsfragen gibt der Koran Auskunft.

Mit der zunehmenden Verwestlichung des türkischen Staates setzten laizistische Strömungen ein, die das Primat der Religion bekämpften. Mustafa Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei (1923), ging gegen religiöse Vorrechte und Traditionen vor. Das Kalifat wurde abgeschafft. Das Tragen von Fes und Schleier wurde unter Strafe gestellt. Eine weitere Sensation bedeutete die Abschaffung des arabischen Hidra - Kalenders, an dessen Stelle der in Europa übliche gregorianische Kalender trat. Die koranische Rechtssprechung wich neuen, europäischen Vorbildern. Der Islam als Staatsreligion wurde abgeschafft. Das lateinische Alphabet ersetzte die arabische Schrift, und der christliche Sonntag wurde anstelle des islamischen Freitages zum offiziellen Ruhetag erklärt.