Kirchen in der Türkei

Nach der Gründung der ersten Gemeinde in Antiochia und mit der Vorarbeit der Aposteln sehen wir schon ab dem 1. Jahrhundert Kirchengründungen in Anatolien. Die Reisen des Völkerapostels Paulus liegen zum großen Teil in Kleinasien: Perge Antiochia in Pisidien, Derbe, Ikonium, Listra, Ephesus, das Gebiet der Kolosser und der Galater, an die der Hl. Paulus Briefe richtete. Die Apokalypse des Heiligen Johannes: Ephesus, SImrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia, Laodizea zeigen schon die ersten Gemeinden und die Kirchengründungen im westlichen Kleinasien. Durch Christenverfolgung unter den Römern entstehen Kirchen und Gemeinden in Kappadokien. Politisch und kirchlich hat Konstantinopel das Erbe des alten Rom angetreten. Durch die wieder Neugründung des Kaisers Konstantin des Großen wurde Konstantinopel zur neuen Hauptstadt der Römer. Kaiser Konstantin gibt dem Christentum die Legitimität. Kaiser Theodosius der Große macht das Christentum zu Staatsreligion.

Das Konzil von Konstantinopel beschloß im Jahre 381, dem Bischof des neuen Roms einen Ehrenvorrang, gegenüber dem des alten Roms, zu erteilen mit der Berufung auf den heiligen Aposteln Andreas, den legendären Gründer der Kirche von Byzanz. Kaiser Konstantin erbaute die Apostelkirche als seine Begräbniskirche. In der Apostelkirche ruhten die Leiber des heiligen Andreas und der Apostelschüler Lukas und Thimotheus. Durch die vielen Reliquien, die von Konstantins Mutter Helena nach Konstantinopel gebracht worden sind, wurden in der Stadt zu dessen Ehren Kirchen gebaut: Marienkirche im Viertel Khalkoprateia soll ein Gürtel der Muttergott in der Kirche der Blachernenviertel aufbewahrt worden sein. In der Marienkirche in Bukoleon viertel verehrte man das Christusbild von Edessa. Große Kirchenväter und Heilige, wie Basilius der Große, Gregor von Nazians, denen wir die Hauptwerke griechischer Literatur und des östlichen Mönchtums verdanken, trugen dazu bei, daß in Zentral Anatolien die ersten Mönchsorden und Kirchen entstanden sind . Kirchlich wurde Konstantinopel der unumstrittene Mittelpunkt der orthodoxen Kirche.

Einige wichtige Beispiele der byzantinischen Kirchenarchitektur.

Bulgarishch Stefan Sveti Kichhe

Dieses Bauwerk im neugotischen Stil ist auch als Sveti Stefan Kirche bekannt. Die bulgarische Minderheit, die sich vom Griechischen Patriarchat in Fener abspaltete, beauftragte den armenischen Architekten Hovsep Aznavur mit dem Bau. Das Besondere: Die Kirche besteht aus Gusseisen, da der Boden am Goldenen Horn zu weich war. Mit der Errichtung wurde nach einer Ausschreibung ein österreichisches Bauunternehmen beauftragt. Alle Teile des Gebäudes wurden in Wien gegossen und im Frühjahr 1896 auf dem Seeweg nach Istanbul transportiert. Innerhalb von anderthalb Jahren war das Bauwerk vollendet. Noch heute werden dort Gottesdienste abgehalten und Besucher durch die Pracht der Kirche angelockt.

Chora Kirche Istanbul

558 wurde dieses Kloster bei einem großen Erdbeben völlig zerstört. Kurz danach wurde es unter Justinian wiederaufgebaut. Der heutige Bau stammt aus dem späten 11 Jh.. Die Kirche wurde erst im Jahre 1500 durch die Türken in eine Moschee umgewandelt.

GRIECHHISCHES PATRIACHAT VON FENER

Das Patriarchat änderte nach der Eroberung mehrere Male seinen Standort und bezog erst im 17. Jahrhundert seinen jetzigen Platz. Obwohl das hiesige Patriarchat das heilige Zentrum aller Orthodoxen ist, ist der Patriarch lediglich das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Gemeinde von Istanbul und Umgebung. Bis das Patriarchat 1601 sein heutiges Gebäude bezog, hatte es sich zuvor an drei verschiedenen Stellen befunden. Im Jahre 1941 brannte es nieder, und bis in die 80er Jahre hinein wurde ein Wiederaufbau des niedergebrannten Holzgebäudes nicht genehmigt. Ein nebenan erbautes Zusatzgebäude diente in dieser Zeit als Patriarchat.

In der Mitte des Patriarchats steht die Aya-Yorgi (Ayios Yeorgios)-Kirche aus dem 18. Jahrhundert, die die Form einer Basilika aufweist. Obwohl sie von außen recht unscheinbar ist, befinden sich hier die meisten wertvollen Reliquien der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Außerdem kann man hier den Thron des Patriarchen Heiliger loannes aus dem Byzantinischen Reich bewundern. Nach seiner Restaurierung im Jahre 1991 arbeitet das Patriarchat weiterhin im selben Gebäude.

HAGIA SOPHIA ISTANBUL

Gehört zu den berühmtesten Bauwerken der Welt und das bedeutendste Beispiel byzantinischer Sakralbauten und eine der großartigsten Architekturschöpfungen überhaupt. Eine von Konstantin 326 begonnene Basilika wurde im Jahre 360 unter seinem Sohn Konstantinius II. eingeweiht; anfang des 5. Jh. grundlegend erneuert, brannte 532 bei dem Nika-Aufstand wieder ab. Justinian begann sofort mit den Neubau, dessen Ziel es war ein Bauwerk unvergleichlicher Größe und Herrlichkeit zu errichten. Er beauftragte die griechischen Architekten Anthemios von Tralles und Isidoros von Milet mit der Errichtung des kühnsten Kuppelbaus der Architekturgeschichte. Am 27. Dezember 537 wurde die Kirche durch den Kaiser eingeweiht. Sultan Mehmet II. umwandelte die Hagia Sophia in eine Moschee 1453. 1935 wurde die Hagia Sophia vom Atatürk zu einem Museum erklärt, das für Besucher beider Religionen offenstehen sollte. Der Innenraum zeigt viele eindrucksvolle byzantinische Mosaikkunstwerke.

IRENEN KIRCHE ISTANBUL

Eine der ältesten Kirchen Istanbuls. Bis zur Weihe der ersten Hagia Sophia im Jahre 360 war sie die Bischofskirche der Stadt. Zu osmanischer Zeit diente die Irenen Kirche zunächst als Arsenal, später als Waffenmuseum. Heute wird sie als Ausstellungs- und Konzertsaal genutzt. Obwohl die Irenenkirche durch zahlreiche Brände und Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen wurde, blieb das goldene Kreuzmosaik unter der Halbkuppel Apsis aus der Zeit von Justinian l. erhalten. Erbaut wurde die Kirche zu Beginn des 4. Jh.n.Ch. von Constantin I. (324-337), vermutlich wurde sie auf den Ruinen eines römischen Tempels errichtet. Heute dient sie als Konzertsaal.

ST ANTOINE KIRCHE

Dieses über dem niedergebrannten Concordia-Theater und seinem Garten erbaute Gebäude ist eines der ersten Eisenbetongebäude in Pera. Die Kirche wurde von dem in Istanbul geborenen Architekten Giulio Mongeri erbaut und ist eines der herausragenden Beispiele italienischer neugotischer Architektur in Istanbul. Die Kirche wurde im Zeitraum von 1906 bis 1912 erbaut und von italienischen Franziskaner-Priestern verwaltet. Ursprünglich hieß sie "San Antonio". Die hölzerne Statue des gekreuzigten Jesus und die goldverzierte Holzstatue von Saint Antoine sind Werke des italienischen Bildhauers Luigi Bresciani. Der unterirdische Keller wurde als zweite Kirche eingerichtet und den Keldianern übergeben. Im Süden der Kirche, die die einen kreuzförmigen Grundriß hat, befindet sich parallel zum Hauptgebäude ein zweistöckiges Kloster.

SUMELA KLOSTER TRABZON

Dieses heute verlassene, schwer zugängliche Kloster liegt in 1200 m Höhe. Das ganze Kloster ist in den Berg eingebaut. Es wurde wahrscheinlich unter Kaiser Anastasius (491-518) erbaut. Seit dem ersten Weltkrieg ist das Kloster nicht mehr bewohnt.