Natur

Die Türkei (asiatischer Teil=Anatolien) erstreck sich in Ost- Westrichtung vom 26.-50, Grad östlicher Lange (1600 km.) und nordsüdlich vom 36.-42, Grad nördlicher Breite (650 km.) 78.576 km2, davon 3 % europäischer Anteil. Die Türkei wird vom Schwarzen Meer im Norden und vom Mittelmeer im Süden und Westen Ägäis, umgeben. Zwischen den Randgebirgen im Norden (nordanatolische Gebirgsschwelle) und im Süden (Taurus) liegt das abgeschlossene inneranatolische Hochland, durch Becken unterschiedlicher Höhe und Talungen stark geqliedert.

Anatolien wird vom großen eurasiatischen Kettengebirgsgürtel geprägt, für den streckenweise Verschmälerung und Verbreiterung typisch sind. Bei Auffächerung entstehen die großen Beckengebiete. Die Türkei ist im Osten am kompliziertesten aufgebaut. Schmale und lange, unterschiedlich orientierte Bergzüge, getrennt durch tiefe Täler und Hochflächen verschiedener Höhenlage, kennzeichnen Zusammensetzung, Richtung, Exposition und Höhenlage der Berge, bestimmen die Vielfältigkeit der Vegetation und den Reichtum der Flora

Die Türkei ist ein gebirgiges Land, denn mehr als die Hälfte der Fläche liegt über 1000 m., 1000-1500 m., 30 %, 1500-2000 m., 16 %, über 2000 m., 10 %. Mittelgebirgsgelände (500-1000 m.) ist mit 27 % noch weit verbreitet, während Niederungen (0-250 m.) 10 %, 250-500 m. 7 % stark zurücktreten. Nahezu zwei Drittel des Geländes sind über 15 % geneigt, die der Erosion stärker ausgesetzt ist.

a) Nordanatolisches Randgebirge

Typische Kettengebirge fehlen. Weitgespannte Aufwölbungsbergzüge alter Abtragungs- flächen streichen mit der Küste parallel. Die Rumpfflächen werden von kammartigen bis stockartigen Erhebungen überragt. Bedeutende Längsbecken (Kelkit Çayi, Çoruh Nehri, Devrik Çayi). Durch die im Sommer wie im Winter vorherrschenden Nord Winde, das Ost- Weststreichen der Gebirgsketten und durch den steilen Abfall gegen das Schwarz-Meer werden die Gegensätze zwischen feuchten Schatten-und trockenen Sonnseiten verschärft, so daß dem Kleinstandort besondere Bedeutung zukommt. Daher können sich Feucht-sowie Trockenwälder im waldgesellschaftskomplex berühren.

In Nordwestanatolien hängen die einzelnen Ketten weniger zusammen, meist in größere Bergstöcke aufgelöst und durch Quer- sowie Längstäler stärker gegliedert. Vegetationskundlich und geologische gehört noch das Uludag- Massiv (2543 m.) jenseits des tief eingeschnittenen Sakarya-Tales am Südost- Ende des Marmarameeres dazu. Höhere Gebirgsstöcke: Köroglu Dagi bei Bolu (2378 m), Ilgaz Dagi (2565 m) mit dem Ilgaz- pass (1775 m.), Çangal Dagi (1605 m.), Gipfelflur um 1700-2000 m., Pässe bei 1200-1500 m. Die Abgeschlossenheit gegenüber dem Meereseinfluß ist weniger ausgeprägt. Am unteren Sakarya-Tal verliert die Nordanatolische Gebirgsschwelle an Höhe und Geschlossenheit. der nördliche Gebirgszug streicht am Bosporus aus und findet in den Istranca Daglari (1031 m.) in Thrakien sein Ende. Die Meerferneren, aber höheren (südlichen) Ketten (Köroglu Daglari, Ilgaz Daglari) wirken als Hauptregenfänger. Im Umkreis des Marmarameeres werden durch das niedrige Gebirge ausklingender mediterraner, stärkerer euxinischer, aber auch balkanischer (winterlich Kaltluft) Klimaeinflüsse wirksam.

Im mittleren Nordanatolien (Sinop-Ordu) haben die Randketten typischen Mittelgebirgscharakter. Sie sind relativ niedrig (1200-1700 m). Charakteristisch sind die Küstenebenen von Sinop, Samsun-Bafra und Çarsamba. Wasserreich Stromtäler (Kizilirmak, Yesilirmak) durchbrechen die Gebirgsschwelle. Erst hinter dem großen Quartal des kelkit Çayi erlangen die Bergketten Hochgebirgscharakter (Akdag 2062 m, Tekelidag 2621 m).

In Nordostanatolien (Zigana-Gebirge) hat das nordost-anatolische Gebirge schon in Küstennähe Hochgebirgscharakter mit einer Gipfelflur weit über 3000 m. (Çakirgöl Daglari 3063 m., Kaçkar Dagi 3937 m., Yalniçam Siradaglari 3856 m.). Die Pässe liegen über 2000 m. (Zigana Geçidi 2025 m, Soganli Geçidi 2370 m, Yalnizçam Geçidi 2650 m). Dieser kompakte Gebirgswall bis zur georgischen Grenze bildet eine scharfe Klima- und Vegetationsscheide. Nur im tief eingeschnittenen Çoruh-Durchbruch dringt das Schwarzmeerklima lokal weiter ins Innere ein.

b) Hochland

Ostanatolisches Hochland Im Osten (Ararat-Hochland, östlich von Erzincan) fächern sich Zigana-und Taurusketten auf. Mächtige vulkanische Decken (Basalt) treten auf und hohe Vulkane sind typisch: Ararat 5156 m., Süphan Dagi 4434 m., Nemrut Dagi 3050 m., Das extrem gebirgige und intensiv gefaltete Hochland mit geringer Reliefenergie in 1500-2000 m. Höhe gliedert sich in viele Becken. Der Steppensee Van Gölü (1720 m.), der größte Inlandsee, ist typisch; bei stark kontinentalem Klima liegt die untere Waldgrenze mit 1500-1800 m sehr hoch, so daß Steppen-Standorte überwiegen.

Zentralanatolisches Hochland (Konya-Kayseri-Ankara). Wellige, monotone Hochfläche mit einzelnen Hügelketten, typische Becken Landschaften, Höhenlage 800-1200 m., einige salzige Steppenseen (Tuz Gölü, randlich Beysehir Gölü und (Egridir Gölü); im Inneren abflußlose Salzsümpfe. Erloschene Steppenvulkane wie Erciyas Dagi (3916 m.) und Hasan Dagi (3258 m). Durch die niedrige Waldgrenze haben die tiefsten Lagen Steppencharakter. Die westanatolische Gebirgsschwelle (Isparta-Afyon-Eskisehir) grenzt gegen das Mittelmeergebiet ab. Nur im Westen sind die Täler weit geöffnet, die gegen Norden, Süden und Osten stark abgeschirmt sind, wodurch eine Niederschlags- Lee- Lage entsteht.

c) Ege-Gebiet (Ägäischer Beckenraum):

Vielfältiger aufgebaut durch Küstenebenen (Aydin, Izmir, Bergama), Breite Ost- Westtalfurchen im westlichen Tief- und Hügelland, hohe nord- südliche Gebirgsmassive (1800-2300 m.), abgeschlossene kontinentale Hochbecken. Das Kaz Dagi-Massiv im Norden schützt gegen winterliche Kaltlufteinbrüche, Westtaurus schwächt das mediterrane Klima ab. Der ägäische Beckenraum setzt sich im thrakischen Tiefland fort, welches ein typisches, kaum gegliedertes Steppenwaldgebiet darstellt. Das kreuzweise Nord-Süd- und Ost-Weststreichen hat auch eine komplizierte Küstenlinie mit vielen Inseln, Buchten und kleinen Bergen geschaffen. Entlang der tektonischen Linien fließen Großer und Kleiner Menderes-und Gediz-Fluß zum Meer.

d) Südanatolische Randgebirge

West-Taurus : Der mächtige Iykische Taurusbogen (Fethiye-Silifke) mit ausgeprägten Bergketten hat teilweise plateauartigen Charakter. Östlich der Linie Antalya-Isparta sind nordöstlich-südwestlich streichende Ketten typisch, die in den Bey Daglari (3086 m.) gipfeln. Weiter westlich unregelmäßige Bergklötze. Zahlreiche Dolinenartige Hochflächen (800-1200 m.) mehrere, teilweise perennierend und salzhaltige Steppenseen sind in der nördlichen Synklinale eingebettet (Beysehir Gölü und Egridir Gölü).

Mittel-Taurus: (westlich des Gülek Bogazi)-Passes bei Adana). Vorgelagert sind die mediterranen Ebenen von Adana, Silifke und Antalya und im Norden das zentralanatolische Steppenhochland. Der Kettencharakter der kilikischen Taurusberge ist mehr in den inneren Ketten ausgeprägt, besonders im Bolkar Dagi-Gebiet 3585 m.; Akdag 2750 m.. Die Pässe liegen um 1500-1700 m..

Ost-Taurus: Im vegetationskundlich engeren Sinne liegt die Grenze bei der Linie Malatya- Sivas (vgl. Zedern-Areal). Abweichend vom Mittleren Taurus treten mehrere parallele Kettensysteme auf, die sich weiter östlich auffächern. Die inneren Ketten bilden die Wasserscheide. Gipfelflur: Aladag 3734 m., Bey Dagi 3054 m., Nuruhak Dagi 3090 m.. Der Ost-Taurus gilt noch als Küstengebirge. Ein nord-südlicher Auffächerungszug endet beim Erciyas Dagi (3916 m.).

Südöstliche Taurus- Ausläufer: Die aufgefächerten Binnenlandketten liegen zwischen der mesopotamischen (syrischen- irakischen) Tiefebene (500-800 m.) und dem Ararat- Hochland. Das äußerste Kettensystem beginnt mit dem Amanus (Gavur Dagi 2262 m.) und umfasst die Güneydogu Toroslar mit relativ hoher Gipfelflur (Akdag, 2961 m, Malato Dagi, 2967 m.). Die Hauptkette ist noch höher (Munzur Daglari, 3250 m., Bingöl Daglari, 3250 m.). Die Ketten setzen sich nach Osten bis Hakkari und zum gletscherbedeckten Cilo Dagi- Gebiet (4168 m.) fort. Weite Becken (Mus) sind eingebettet, ebenso der Van-See.

Südöstliche Taurus-Vorlandzone: Am Ost-Taurus schließt in 500-800 m. Höhe ein Tiefland (Diyarbakir, Gaziantep, Urfa, Mardin) an, dessen Kreide-und Tertiärschicten meist von Bassalt decken überlagert sind. Hier beginnen die Steppen Syriens und Mesopotamiens. Das südostanatolische Hochland wird von Euphrat und Tigris durchbrochen.